16. September 2025 · Reisen

Schweden 2025: Schotterwege, Eremitplätze und ein Feuer im Wald

20 Tage, 4707 Kilometer, zwei Hunde und zum ersten Mal ein Anhänger am Haken. Wir sind Ende August nach Schweden aufgebrochen, haben uns durch Mittelschweden treiben lassen und sind über Dänemark zurückgefahren. Wieder haben wir es nicht weiter nach Norden geschafft. Und wieder war es genau richtig so.

Wohnmobil mit Anhänger und zwei Fahrrädern auf einem Parkplatz in Dänemark
Zum ersten Mal mit Anhänger unterwegs. Zwei Fahrräder wollten mit.

28. August: Køge

Um 13 Uhr fahren wir los. Anhänger dran, Fahrräder festgezurrt, das Haus im Rückspiegel. In Dänemark stehen wir ein paar Mal, aber gegen 19 Uhr rollen wir auf den Platz. Er heißt Corona Camping, warum, hat uns niemand erklärt. Eine einfache Anlage mit Charme aus vergangenen Jahrzehnten, alles belegt, aber wir dürfen kostenlos auf dem Parkplatz stehen.

Die Storebæltbrücke liegt schon hinter uns. Grau, leicht nass, warm genug. Ein Auftakt, mit dem wir gut leben können.

Wohnmobil mit Anhänger am Abend auf dem Parkplatz eines dänischen Campingplatzes
Ankunft nach sechs Stunden Fahrt. Der Platz war voll, der Parkplatz nicht.

29. August: über die Grenze nach Karlshamn

Gegen zehn geht es weiter nach Norden. Letzter Halt in Dänemark, eine Gasflasche tauschen, damit das warme Wasser in Schweden nicht ausgeht. Um 11.40 Uhr sind wir über der Grenze, keine Kontrolle, der Kaffeevorrat kommt durch.

Um 14 Uhr stehen wir auf dem ersten Platz, den wir über die Eremit-App gebucht haben. Mitten im Wald, direkt am See, mit einer Terrasse und einem Bootssteg. Sonst niemand. Hier atmet man sofort langsamer.

Wohnmobil und Anhänger an einem schwedischen See, davor eine Holzterrasse mit Bootssteg
Der erste Eremitplatz bei Karlshamn. Terrasse, Steg, See und niemand sonst.

30. August: der See Nömmen

Früh los, Ziel irgendwo zwischen Vättern und Vänern. Gefunden haben wir den See Nömmen und dort einen Platz mit Feuerstelle, Boot und einer Säge fürs Holz. Mehr braucht es nicht.

Wir laufen durch den Wald, die Hunde sind zufrieden, wir auch. Kein Lärm, keine Menschen.

Wohnmobil auf einer Lichtung am Ufer des Sees Nömmen zwischen Kiefern
Am Nömmen. Der Platz endet dort, wo das Wasser anfängt.

31. August: ein verlassener Hof

Gegen elf brechen wir auf. Vorher noch das, was zum Reisen mit dem Wohnmobil dazugehört und in keinem Reisebericht vorkommt: Frischwasser rein, Abwasser raus, Kassette leeren.

Die Straßen werden schmaler, je näher wir kommen. Irgendwann biegen wir von der Landstraße auf einen kilometerlangen Schotterweg ab, durch Wald, an einzelnen Höfen vorbei. Dann steht er vor uns: ein verlassener Hof. Ein Haupthaus, alte Stallungen, eine kleine Halle und ein gepflegtes Plumpsklo. Niemand da, schon lange nicht mehr.

Wir suchen uns eine halbwegs ebene Stelle und laufen über das Gelände. Keine Nachbarn, keine Geräusche. Es ist so still, dass man beinahe vergisst, wie laut es sonst ist.

Wohnmobil auf dem Hof eines verlassenen schwedischen Anwesens mit rotem Holzhaus
Der verlassene Hof bei Holmestad. Rote Wände, offene Türen, kein Mensch.
Je länger die Schotterstraße, desto wahrscheinlicher der gute Platz. Diese Regel hat sich auf der ganzen Reise gehalten. Fast.

1. September: Lilla Hällsjön, der Ausrutscher

Nach der ruhigen Nacht fahren wir früh los, Ziel ist ein See oberhalb von Vänern und Vättern. Die Anfahrt: 14 Kilometer Schotter durch die Einsamkeit. Eigentlich ein gutes Zeichen.

Vor Ort dann eine Fläche, die gerade für unser Wohnmobil reicht. Kein Platz zum Rangieren, keiner zum Sitzen. Und zehn Meter entfernt rumpelten bis in die Nacht Lastwagen vorbei, mitten im Wald. Warum, wissen wir bis heute nicht. Teuer, lieblos, laut.

Dazu erwischte es eines von uns beiden mit Magen und Kreislauf. Bleiben oder weiterfahren? Wir sind geblieben. Nicht jeder Tag wird zum Lieblingskapitel, das gehört dazu.

Wohnmobil auf einem sehr schmalen Schotterplatz zwischen Bäumen an einem See
Gerade breit genug. Was das Bild nicht zeigt: die Straße direkt dahinter.

2. September: Regentag in Lindesberg

Die Nacht war kurz, der Magen beruhigte sich erst gegen Morgen. Dann grummelte nur noch das Wetter. Der erste richtige Regentag dieser Reise, und ehrlich gesagt kam er gelegen. Müll weg, Wasser tanken, alles durchspülen und den Tag verschenken.

Wir fahren nur 45 Minuten weiter und landen in Lindesberg auf dem Stellplatz beim örtlichen Golfclub. Ein kleines Stück Zivilisation, angenehm versteckt, umgerechnet etwa neun Euro ohne Strom. Drinnen wird gelesen, Musik gehört und die Route diskutiert. Mora? Die Ostsee? Wir wissen es selbst erst am nächsten Morgen. Genau das ist das Schöne daran.

3. September: Feuer machen bei Rättvik

Der Weg wird ruhiger, die Landschaft rauer. Nach zwei Stunden erreichen wir einen Platz, der alles einlöst: ein klarer Bach, Wald ringsum, Feuerholz im Überfluss, eine kleine Hütte mit Grillstelle.

Die Hunde springen durch den Wald, wir halten die Füße ins Wasser. Der Besitzer schaut kurz vorbei, wir wechseln ein paar Worte. Man merkt, dass dieser Ort gepflegt wird.

Holzsteg über einen klaren Bach, dahinter eine Terrasse und das Wohnmobil zwischen Bäumen
Der Steg führt vom Platz über den Bach. Kaltes Wasser, warmer Tag.

Dann Holz hacken. Und am Abend passiert das, was in dieser Umgebung passieren muss: Wir haben Feuer gemacht. Selbst. Mit reichlich Rauch, aber es brannte.

Brennendes Lagerfeuer vor einer hölzernen Schutzhütte in der Abenddämmerung, daneben das Wohnmobil
Das beste Feuer ist immer das, das man selbst gemacht hat.

4. September: ein Dalapferd und ein Wiedersehen

Um elf verlassen wir den Platz am Bach, der Abschied fällt schwer. Unterwegs halten wir in Mora und kaufen, was seit Tagen auf der Liste stand: ein handgeschnitztes Dalapferd, rot bemalt.

Wer mehr sehen möchte als den Verkaufsraum, fährt zehn Kilometer weiter nach Nusnäs am Siljansee. Dort stehen die beiden bekannten Werkstätten fast Tür an Tür, Grannas A. Olsson und Nils Olsson, beide seit den zwanziger Jahren im Geschäft. Man kann bei der Fertigung zusehen, vom Rohling über das Schnitzen bis zur Bemalung. Wir haben es diesmal nicht gemacht, aber es steht auf der Liste für das nächste Mal.

Danach weiter nach Sveg, auf einen Stellplatz, den wir vor vier Jahren schon einmal angefahren haben. Wir hatten ihn als naturbelassen und unaufgeregt in Erinnerung. Er ist noch genau so. Ein Wiedersehen, das gut tut.

Wohnmobil auf einer Wiese am Ufer eines großen Sees bei Sveg, daneben Picknicktisch
Sveg, vier Jahre später und unverändert.

5. September: Mellanfjärden

Weiter zur Ostküste. Unser Ziel ist ein kleiner Stellplatz an einem Hafen, mitten in einem Fischerdorf. Die Hunde verschlafen die gesamte Fahrt.

Der reservierte Platz liegt in der ersten Reihe, mit Blick auf das Wasser, die roten Fischerhütten und die Boote. Wo gefischt wird, riecht es nach Fisch, jedenfalls für zwei feine Nasen. Die beiden arbeiten sich hochkonzentriert durch den Geruchsteppich am Boden und fallen abends entsprechend um.

Rote Fischerhütten auf Stelzen beidseits eines schmalen Wasserarms in Mellanfjärden
Mellanfjärden. Die Hütten stehen im Wasser, dazwischen liegen die Boote.
Wohnmobil auf dem Stellplatz am Hafen von Mellanfjärden mit Blick auf die Ostsee
Erste Reihe am Hafen. Draußen eine kleine Insel, auf der tatsächlich Menschen wohnen.

6. September: 450 Kilometer und ein Platzwechsel

Der Morgen ist neblig, kalt und feucht. Die Scheiben beschlagen beim Nachdenken. Also fahren wir und machen Strecke, 450 Kilometer bis Stigtomta. Ein kleiner Badeplatz, ruhig, abgelegen, ideal für eine Nacht.

Dann kam eine Gruppe Radreisender und baute ihre Zelte im Windschatten unseres Wohnmobils auf. Sie schleppten Holz heran, lachten laut, holten noch mehr Holz. Uns war das zu viel für einen ruhigen Abend, also sind wir weitergezogen. Neun Kilometer weiter wartete eine zweite Badestelle mit offiziellem Stellplatz.

Dort standen bereits acht Wohnmobile, womit wir in dieser Gegend nicht gerechnet hätten. Für uns blieb trotzdem eine ruhige Ecke mit Blick auf den See. Die Sonne sank, der Himmel wurde warm, der Tag endete versöhnlich.

Sonnenuntergang über einem See, im Vordergrund mehrere Wohnmobile zwischen Kiefern
Der zweite Platz des Tages. Manchmal ist Weiterfahren die bessere Entscheidung.

7. September: Malmö und der Abschied

Nebel über dem Platz, ein guter Tag zum Weiterziehen. Mit jedem Kilometer nach Süden wird der Himmel heller. Am Nachmittag erreichen wir Malmö und steuern das Grand Circus Hotel an.

Hier steht ein Zirkuszelt im Zentrum, drumherum alte Bau- und Wohnwagen, die man mieten kann, dazwischen ist Platz für Wohnmobile. Die Sanitäranlagen sind schlicht, aber sauber. Der Platz will nicht glänzen, er will gefallen, und das gelingt ihm.

Es ist unser letzter Tag in Schweden. Hinter uns liegen Wälder, Seen, Schotterpisten und viel Ruhe. Wieder haben wir es nicht über Mittelschweden hinausgeschafft. Morgen geht es über die Öresundbrücke und die Storebæltbrücke zurück nach Dänemark.

Adjö Sverige. Hej Danmark.

8. bis 10. September: Kerteminde

Beide Brücken liegen hinter uns, wir rollen entspannt Richtung Kerteminde. Der Stellplatz am Hafen ist uns zu eng, aber direkt daneben liegt ein großer Parkplatz, auf dem Wohnmobile offiziell stehen dürfen. Der passt: Luft, Platz für uns und die Hunde, sogar Frischwasser und Strom.

Wir bleiben zwei Nächte. Nach Wochen in schwedischen Wäldern tut eine kleine Stadt gut. Der Hafen ist lebendig, der Strand in Reichweite. Mehr zu diesen Tagen steht im eigenen Beitrag zu Kerteminde und Skærbæk.

Wohnmobil auf dem Stellplatz am Hafen von Kerteminde, davor liegt ein Hund im Gras
Kerteminde. Der Parkplatz neben dem Stellplatz war die bessere Wahl.

10. September: Hadsund am Mariager Fjord

Weiter an die Ostsee nach Hadsund. Ein kleiner Stellplatz, eingerahmt von Ferienhäusern, Restaurants und einem Imbiss. Dort gab es die besten Fish and Chips, die wir je gegessen haben. Außen knusprig, innen zart, dazu der Blick aufs Wasser.

Direkt am Wasser lässt es sich endlos laufen, die Hunde waren begeistert. Am Nachmittag zeigte sich Hadsund im besten Licht, am Abend zogen dunkle Wolken auf. Die Wetterapps sprachen von Sturm, Regen und Gewitter.

11. September: Skagen

Unser nördlichster Punkt. Skagen, die Landzunge, an der Skagerrak und Kattegat aufeinandertreffen. Schon auf der Anfahrt ist klar, dass wir nicht die Einzigen sind. Der Parkplatz am Bunkermuseum ist voll mit Wohnmobilen, dazwischen verirrt sich ab und zu ein Auto.

Das berühmte Bild von zwei Wellen, die aus verschiedenen Richtungen aufeinandertreffen, bleibt uns verwehrt. Stattdessen sehen wir Menschen in allen Formen und Farben, die dasselbe Bild suchen. Wir gehen über den Strand zurück, das Rauschen im Ohr, die Sonne im Rücken. Wir können jetzt sagen, dass wir da waren.

Zwischenstand nach 15 Tagen

3453 Kilometer lagen zu diesem Zeitpunkt hinter uns, bei 9,3 Litern auf 100 Kilometer. Das klingt moderat, wenn man bedenkt, wie viele Schotterpisten dabei waren. Gasflaschen hatten wir noch keine getauscht. Am Landstrom hingen wir zweimal, beide Male nicht aus Not, sondern weil er im Preis enthalten war.

Der Sodastream hat sich als überflüssiges Gepäck erwiesen. Wasser schmeckt auch ohne Blubber, besonders wenn es aus einem schwedischen See kommt.

12. September: Hvalpsund am Limfjord

Weiter nach Norden ginge nur noch mit der Fähre nach Oslo. Stattdessen zieht es uns, wie am Ende jeder Skandinavienreise, zu einem unserer Lieblingsplätze. Vorher aber noch ein Zwischenstopp.

In Hvalpsund am Limfjord steuern wir den Familiencampingplatz an. Die Saison ist vorbei, die Ferien auch, der Platz liegt ruhig vor uns. Die Betreiber zeigen uns mehrere Stellflächen direkt am Fjord, wir nehmen die mit Blick aufs Wasser. Das Wetter ist freundlicher als angekündigt, es weht kräftig, aber es ist nicht kalt.

Am Abend passiert eine kleine Premiere: Zum ersten Mal in diesen Wochen bestellen wir Brötchen für den nächsten Morgen. Keine Shakes, kein Brot, sondern frische Brötchen. Allein der Gedanke daran ist gut.

Wohnmobil unter einer Kiefer mit direktem Blick auf den Limfjord bei Hvalpsund
Hvalpsund. Erste Reihe am Fjord, Nebensaison, viel Platz.

13. bis 15. September: Marsk Camp

Nach einer entspannten Fahrt über dänische Landstraßen erreichen wir am frühen Nachmittag Skærbæk und damit Marsk Camp, für uns längst ein Lieblingsort. Wir hatten reserviert, der Check-in ging schnell, und so blieb Zeit für den einzigen Punkt auf der Tagesliste: den Hundezaun aufbauen. Gekauft im Jahr davor, jetzt endlich im Einsatz. Ein paar Minuten, und das Gehege stand.

Wohnmobil mit aufgebautem Hundezaun auf dem Marsk Camp, im Hintergrund der Aussichtsturm
Der Hundezaun bei seinem ersten Einsatz, im Hintergrund der Marsk Tower.

Rundherum war es ruhig, kaum eine Parzelle belegt. Am Sonntag haben wir uns keinen Plan gemacht. Ein Bummel durch die Shops, ein Salat, ein Hot Dog und viel Zeit, einfach da zu sein. Am Abend saßen wir vor dem Wohnmobil, sahen den Hunden beim Müdewerden zu und ließen den Tag mit einem Glas Wein ausklingen.

16. September: Heimfahrt

Der letzte Morgen beginnt mit Regen, Wind und Herbst. Es wirkt fast so, als wolle das Wetter uns den Abschied leichter machen. Unterwegs halten wir noch einmal an und arbeiten uns durch eine Burgerkarte, üppig, wie man es am Ende einer langen Tour verdient hat.

Dann die letzten Kilometer nach Hause. 20 Tage voller Wälder, Seen, Küsten, Schotterwege, Brücken und Hundeabenteuer liegen hinter uns. Der Alltag fängt wieder an, aber mit einem Kopf voller Bilder.

Was die beiden Brücken kosten

Auf dem Hinweg über den Storebælt, auf dem Rückweg über den Öresund und noch einmal über den Storebælt. Diese Brücken sind der größte Einzelposten einer Schwedenreise, und die Preise hängen allein an der Länge des Fahrzeugs. Gemessen wird automatisch an der Mautstation, und zwar alles, was hinten und oben dranhängt: Anhänger, Fahrradträger, Dachbox. Wer knapp unter einer Grenze liegt, sollte vorher nachmessen.

Ein Haken, über den wir selbst gestolpert wären: Der günstige Wohnmobiltarif am Storebælt entfällt, sobald das Gespann mit Anhänger über zehn Meter kommt. Unser Viseo misst sieben Meter, mit dem Fahrradanhänger wird es also knapp. Wer wie wir zum ersten Mal mit Anhänger fährt, rechnet das besser vorher durch als an der Schranke.

Alle Angaben sind der Stand von August 2026 laut oresundsbron.com und storebaelt.dk, nicht die Preise unserer Reise im September 2025. Die Tarife ändern sich jährlich, bitte vor der Fahrt prüfen.

Was wir mitgenommen haben

Wer wissen möchte, wie das Buchen der Naturplätze funktioniert und was uns daran gefällt, findet das im Beitrag über Eremit-Camping. Wie die Reise im Jahr davor verlief, steht in Schweden 2024. Und was mit zwei Hunden nach Schweden alles an Papieren nötig ist, haben wir in Mit dem Hund nach Schweden aufgeschrieben.

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