Vier Wochen, drei Länder, eine ungeplante Werkstattrunde. Zwischen dem 21. Juli und dem 20. August sind wir durch Dänemark, Schweden und Norwegen gerollt. Mit defekten Bremsen, tollen Stellplätzen und einem Unwetter, das uns mitten in Norwegen wieder nach Süden lenkt.
Strib: der vertraute Auftakt
Wie so oft startet unsere Reise in Strib am kleinen Hafen. Ein Zwischenstopp, der sich bei uns längst eingebürgert hat. 19 Grad, ruhiges Wasser, Blick auf den Kleinen Belt. Morgen geht es über die Brücken weiter nach Schweden.
Wir verlieren unsere Bremsen
Auf der Fahrt über die langen Brücken nach Schweden hören wir merkwürdige Geräusche beim Bremsen. Nichts Gutes. Wir beschließen, so nicht weiterzufahren, und trauen uns noch bis Malmö. Dort gibt es eine FIAT Werkstatt, die wir am Montag aufsuchen wollen. Ein paar hundert Meter entfernt finden wir ein spezielles Plätzchen zum Übernachten: das Circushotel Malmö mit seinen bunten Zirkuswagen.
Der nächste Tag wird ein Regentag. Statt zu reisen, schauen wir uns die buchbaren Zirkuswagen an und lassen die Zeit vergehen. Wir warten auf Montag, auf offene Werkstätten, auf eine Entscheidung. So hatten wir uns die ersten Tage in Schweden nicht vorgestellt.
Auf der Suche nach neuen Bremsen: Arlöv
Drei FIAT Werkstätten weisen uns wegen der Größe unseres Wohnmobils ab. Bei der vierten haben wir Glück. In Arlöv landen wir bei Champion Auto. Uns wird schnelle Hilfe versprochen, die Teile kommen zügig, und wir dürfen bis zur Reparatur auf dem Hof übernachten.
Am nächsten Morgen ist klar: Nicht nur die Bremsen müssen neu, sondern auch die Bremssättel und die Schläuche. Sicherheit geht vor. Nach viereinhalb Stunden Arbeit können wir endlich weiter. Der geplante Halt in Falkenberg ist bereits voll, also fahren wir weiter Richtung Grenze. In Ledsgård finden wir nahe Tvååker einen kleinen, sauberen Stellplatz. Ein guter Ort, um kurz durchzuatmen, bevor es am nächsten Tag nach Norwegen geht.
Ankommen in Norwegen
Unsere erste Nacht in Norwegen verbringen wir auf Langholmen Camping. Unser Spot liegt direkt am Wasser. Nach all dem Stress der letzten Tage fühlt sich das wie eine kleine Belohnung an. Der Plan, am nächsten Tag freizustehen, geht nicht auf. Die Plätze am See bei Drammen sind mit Anglern belegt, der einzige freie Fleck ist heruntergekommen. Also wieder auf die Suche. In Svelvik finden wir einen Stellplatz für eine Nacht.
Die nächsten Tage führen uns in kleinen Etappen weiter. Ein Zwischenstopp an einer Marina in Bamble, ohne Bootsblick, aber mit trockener Stimmung. Danach ein besonderer Ort in Tvedestrand: ein Stellplatz, auf dem man nicht nebeneinander steht, sondern hintereinander. Wer früher wegfährt, muss kräftig rangieren. Es funktioniert trotzdem erstaunlich gut. Ein Ort zum Entspannen und Angeln, aber für Fiete und Greta ist wenig Auslauf.
Die Hunde bestimmen in solchen Momenten mit, wo wir bleiben. Reicht ihnen der Platz nicht, ziehen wir weiter. Das ist unser stilles Familienabkommen.
Stille am See
Ein Tag später haben wir genau das gefunden, was wir suchen. In Vegårshei stellen wir uns an einen See, nahe einer kleinen Straße, die kaum befahren wird. Ein paar Angler im Hintergrund, sonst nichts. Natur pur. Solche Plätze sind der Grund, warum wir überhaupt nach Norwegen fahren.
Weiter Richtung Südwesten suchen wir einen Platz bei Birkenes. Der erste Spot an einem kleinen Wasserfall ist zu eng, das Wohnmobil steht schief, die Hunde hätten keinen Auslauf. Wir fahren weiter. Am nächsten See stehen wir an einer Schießanlage. Schön ist es trotzdem. Wir frühstücken dort und ziehen danach zum Hawaii Bobilcamping in Birkeland. Dort stehen wir am Fluss, umgeben von Wald. Einer dieser Plätze, die zufällig passieren und genau richtig sind.
In Norwegen misst man Strecken nicht in Kilometern, sondern in Bergen.
Berge, Fjorde und 90 Minuten für 50 Kilometer
Nach Lyngdal führt uns die Strecke über Pässe, die unsere neuen Bremsen gleich auf die Probe stellen. Oben angekommen müssen wir erst einmal abkühlen lassen. Es geht mit Gottes Segen, wie wir spätestens dann sagen, wenn wir die nächste Serpentine sehen.
Zwischen Stavanger und Preikestolen landen wir auf dem Landa Camping, einem kleinen, mittelalterlich inspirierten Naturcampingplatz an Norwegens ältester archäologischer Stätte. Geführt von Deutschen, liebevoll gemacht, mit einem ganz eigenen Ton. Danach geht es weiter Richtung Osten. Hinter Røldal brauchen wir neunzig Minuten für fünfzig Kilometer. Die Landschaft entschädigt für jede Serpentine.
Regen, Ostkurs und Lillehammer
Hinter den Bergen wartet der Regen. In Hjartdal gönnen wir uns ein Frühstück im Grau, dann rollen wir weiter nach Drammen. Erneut Drammen, aber ein anderer Platz als am Anfang der Reise. Für uns gilt sowieso: Regenwetter ist Reisewetter. Wenn es draußen schüttet, bleibt das Wohnmobil in Bewegung.
Unser nächstes Ziel ist Lillehammer. Für acht Wochen im Jahr dürfen Wohnmobile im Olympia Skistadion stehen, dort, wo die Athleten für die Wintersaison trainieren. Ein ungewöhnlicher Ort, an dem wir zwei Nächte bleiben. Die Gegend ist auch bei durchwachsenem Wetter schön, wir erkunden sie in Ruhe und lassen uns die Entscheidung offen, ob es danach weiter nach Norden geht oder zurück nach Schweden.
Die Nachrichten nehmen uns die Wahl bald ab. Für ganz Norwegen stehen die Wetterwarnungen die nächsten Tage auf Rot. Überschwemmungen an der Westküste, umgestürzte Bäume, Straßensperrungen. Die Sonne, so heißt es, werde die kommenden Tage vorwiegend in flüssiger Form scheinen.
Zurück nach Schweden: das Wetter lenkt uns um
Wir entscheiden uns gegen Norden und fahren zurück über die Grenze. Unser erster Halt: die Hängebrücke Älgforsen. Ein fotogener Ort, der uns einen kurzen Lichtblick schenkt, bevor die Regenwolken sich wieder schließen.
Weil das Wasser im Fluss zunehmend steigt, ziehen wir noch einen Kilometer weiter und übernachten in der Gemeinde Älvdalen. Am nächsten Tag entscheiden wir uns, Schweden durch die Mitte zu durchqueren. Auf der Westseite tobt das Unwetter, auf unserer Route regnet es nur noch leicht. Das beste Wetter zum Fahren. Wir landen in Kristinehamn oberhalb des Vänern, auf einem Stellplatz direkt am Hafen. Eng und fast voll, aber für eine Nacht genau richtig.
Am nächsten Tag steuern wir einen Platz an, den wir über die App Eremit gebucht haben. In Skölvene bieten Grundstückseigentümer kleine Flächen für Wohnmobile an. Unser Platz ist toll, nur das Wetter spielt uns wieder einen Streich. Wenige Reisetage später stoßen wir in Annelöv fast auf eine eigene Welt: ein kleines Gelände im Stil des Wilden Westens, das wir uns kurz zurechtbiegen, bevor es weiter nach Süden geht.
Heimkurs über Dänemark
In Middelfart spüren wir zum ersten Mal seit langer Zeit wieder 24 Grad und freien Blick. Der neue Stellplatz an der Marina ist freundlich, das Wetter spielt mit, wir atmen durch. Dänemark empfängt uns so, wie wir es kennen und mögen: unaufgeregt, ordentlich, mit Wasser in Sichtweite.
Zum Abschluss fahren wir an unseren liebsten Platz bei Römö, den Marsk Camp in Skærbæk. Wie so oft enden unsere großen Reisen hier. Ein paar ruhige Tage, leere Wege, Hunde in ihrem Element, und dann langsam die Heimreise sortieren. Vier Wochen, drei Länder, viele Stellplätze. Dass diese Reise am Anfang fast gescheitert wäre, erzählen wir bei jedem neuen Bremsgeräusch gern noch einmal.
Am 20. August rollen wir zurück in unser Mobilhome. Die Bremsen halten, die Hunde schlafen, und irgendwo im Kopf sortieren wir schon die nächste Route. Skandinavien lässt uns selten einfach so ziehen.