2020 war das Jahr, in dem Reisen zur Ausnahme wurde. Wir sind trotzdem losgefahren, wann immer es ging, meist nur für ein Wochenende und selten weit. Zwischen einer Silvestertour an die Ostsee und dem harten Lockdown im Dezember lagen zwei Monate Stillstand, ein Urlaub, der eigentlich nach Schottland gehen sollte, und viele kleine Runden vor der eigenen Haustür.
Dezember 2019: Silvestertour an die Ostsee
Das Jahr begann noch im alten. Erstes Ziel war Rostock, wo wir gehofft hatten, kurz vor Silvester noch einen Weihnachtsmarkt zu erwischen. Der war schon vorbei, also sind wir durch die Fußgängerzonen gebummelt. Den Stellplatz fanden wir direkt am Hafen.
Weiter ging es auf die Insel Poel, zum kleinen Hafen und in einen Ort, der im Winter sehr ruhig ist. Und dann nach Schwerin, wo es uns immer wieder hinzieht: die Stadt, der Stellplatz Hangar 19 mit Blick auf den Schweriner See, und tatsächlich ein noch geöffneter Weihnachtsmarkt, der gar nicht klein war.
Januar: St. Peter-Ording im Winter
Spontan entschieden, an die Nordsee zu fahren. Es war kalt und windig, aber dieses Wetter an der Küste mögen wir. Also standen wir dort und haben die Jahreszeit genommen, wie sie kam.
Mai: die Elbe als einzige Möglichkeit
Dann kam Corona, und mit ihm zwei Monate, in denen das Wohnmobil stand. Als es wieder losging, war Niedersachsen zunächst das einzige Bundesland, das Touristen empfangen durfte. Also sind wir auf die andere Elbseite gefahren, nach Artlenburg, zu einem unserer Lieblingsplätze.
Einen Platz am Wasser bekamen wir beim ersten Mal nicht mehr, auf der Wiese war es auch schön. Mit den E-Bikes ging es die Elbe entlang zum Stover Strand. Zwei Wochen später sind wir wieder hingefahren, diesmal mit reserviertem Wasserplatz, sommerlich warm, und haben nichts weiter getan als die Sonnenuntergänge angeschaut.
Juni und Juli: die Plätze vor der Haustür
Es folgte eine Reihe von Wochenenden, die uns selten weiter als eine Stunde von zu Hause wegführten. Am Mözener See standen Wohnmobile neben Wohnwagen und Zelten, auf dem See ging Kanu und Stand-up-Paddling, und der Grieche am Platz hat den Rest erledigt.
In Brokdorf lag der Platz auf einem ehemaligen Bauernhof. Ohne Strom durfte man stehen, wo und wie man wollte, mit Strom gab es feste Plätze. Einfache Ver- und Entsorgung, Dusche und WC vorhanden, ansonsten Ruhe und Kühe. Zehn Euro die Nacht plus 50 Cent je Kilowattstunde.
Der Stellplatz Tante Henni in Hasloh lag praktisch um die Ecke, und genau deshalb sind wir hingefahren: einmal gucken, was einen dort erwartet. Der Platz war frisch angelegt, der Rasen musste an vielen Stellen erst anwachsen. Toiletten und Duschen gibt es in Containern und im Gebäude, duschen im Container kostete einen Euro für fünf Minuten. Das Wetter war schlecht, dafür war der Burger beim Italiener nebenan bemerkenswert.
Juli und August: Eckernförde und Friedrichstadt
Ein Wochenende in Eckernförde, gestanden haben wir in Altenhof, rund sechs Kilometer entfernt. Die Räder waren also dabei.
Danach Friedrichstadt, das kleine Holländerstädtchen mit seinen Grachten und der niederländischen Backsteinrenaissance. Das Wetter passte für eine Radtour.
August: der Urlaub, der eigentlich Schottland heißen sollte
Der eigentliche Urlaub begann am 8. August mit 101.259 Kilometern auf dem Tacho. Plan A war Schottland gewesen. Plan B wurde der Schaalsee, wo wir vorsorglich einen Platz direkt am Wasser gebucht hatten und ihn tatsächlich auch bekamen. Dort sind wir ein paar Tage geblieben und haben den Arbeitsstress heruntergefahren.
Bei über dreißig Grad ging es mit dem Rad zum Schaalseehof, wo wir früher oft mit dem Motorrad eingekehrt sind. Drei Kilometer, größtenteils im Wald, weil die Sonne an diesem Tag keine Rücksicht nahm. Den Aussichtsturm haben wir uns nur von unten angesehen.
Weiter Richtung Norden, mit einem Zwischenstopp im Wohnmobilpark Süderholz bei Sieverstedt. Zwanzig Plätze, ruhig und nicht weit von der A7, ein idealer Platz für die Durchreise. Danach Niebüll, wo in der Familie geheiratet wurde.
August: Dänemark unter anderen Vorzeichen
Nach der Feier sind wir noch am Abend nach Hvide Sande aufgebrochen. Die Grenzkontrolle war entspannt: Ausweise, kommen Sie aus Schleswig-Holstein, haben Sie Hunde, gute Reise. So spät waren wir noch nie eingereist, und so fuhren wir dem Sonnenuntergang entgegen. Gegen 21 Uhr kamen wir an, fanden noch einen Platz zwischen den Dünen und waren von der Größe der Anlage beeindruckt.
Am nächsten Tag radelten wir die vier Kilometer in den Ort. Radwege in Dänemark sind gut ausgebaut, selbst in den Kreiseln haben Radfahrer eine eigene Spur. Was uns irritierte: In Hvide Sande war von Mund-Nasen-Schutz nichts zu sehen. Das blieb den ganzen Dänemark-Teil über so und hat uns immer wieder beschäftigt.
Über Nykøbing Mors ging es weiter, wo ein Stellplatz an einer kleinen Marina liegt. Der Ort ist klein, in der Innenstadt herrschte viel Leerstand. Dort meldete sich ausgerechnet im Urlaub ein Ohr, und die Arztsuche wurde schwieriger als gedacht: Als wir endlich einen Allgemeinmediziner gefunden hatten, durften wir nicht hinein, sondern mussten das Problem vor der Tür per Telefon klären.
Århus hat uns nicht überzeugt. Der Stellplatz lag wieder an einer Marina, aber mit wenig schönem Blick auf den Hafen, und in der großen Fußgängerzone wollte keine Stimmung aufkommen. In Juelsminde waren wir im Winter davor schon einmal gewesen, damals war nichts los. Jetzt war Hochsaison, der Platz an der Marina gut besucht, und das Lokal, das beim letzten Mal geschlossen hatte, war offen. Dort haben wir am nächsten Tag unseren ersten Hochzeitstag gefeiert, und es hat sich gelohnt.
Letzte Station war Middelfart, ebenfalls ein Stellplatz an der Marina mit der Stadt im Rücken. Der Platz war erwartungsgemäß voll. Als gerade ein Wohnmobil ganz rechts an der Seite wegfuhr, haben wir uns dorthin gestellt. Das war, wie sich später herausstellte, ein Fehler.
Oktober bis Dezember: das Fenster schließt sich
Im Oktober spitzte sich die Lage wieder zu, Dänemark schloss die Grenzen. Wir sind trotzdem noch zweimal los. Erst nach Eutin, wo der Stellplatz schon ziemlich voll war und sich kurz nach unserer Ankunft ganz füllte. Der Eutiner See eignet sich hervorragend für Radtouren.
Dann, am letzten Wochenende vor dem Lockdown light, noch einmal zum Stellplatz Kalkbergblick in Bad Segeberg. Als wir ankamen, standen drei Wohnmobile dort. Im Laufe des Tages füllte sich der Platz vollständig. Alle wollten noch einmal los.
Im Dezember ging dann gar nichts mehr. Aus der Not entstand damals das Wohnmobil-Dinner: Gaststätten boten Essen zum Mitnehmen an, man fuhr mit dem Wohnmobil auf den Parkplatz, bekam auf Porzellan serviert, aß vor der Lokalität und gab am Ende alles zurück. Für die Restaurants war es Zulauf in einer schwierigen Zeit, für uns ein Kurztrip mit Ziel.
Am 16. Dezember begann der bundesweite harte Lockdown. Damit war die Reisesaison 2020 für uns beendet.
Was von diesem Jahr bleibt
- Stationen 26 zwischen Ende Dezember 2019 und Mitte Dezember 2020
- Weiteste Reise Dänemark im August, und die kam nur zustande, weil eine Hochzeit ohnehin nach Niebüll führte
- Brokdorf, Familie Hink 10 € pro Nacht plus 0,50 € je Kilowattstunde
- Tante Henni, Hasloh Duschen im Container 1 € für 5 Minuten
- Plan A war Schottland. Daraus wurde der Schaalsee
- Erkenntnis ein Wohnmobil ist in einem solchen Jahr mehr wert als sonst. Es war der einzige Weg, überhaupt woanders zu sein
Alle Preise sind der Stand von 2020 und heute nicht mehr gültig. Sie stehen hier als Zeitdokument.
Wie das Jahr davor verlief, steht im Bericht zur Deutschlandtour 2019. Zum Stellplatz in Bad Segeberg gibt es einen eigenen Beitrag.